Honeckers Büro als Ort umstrittener Inspiration

 

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Ironie der Geschichte: Früher Honeckers Büro, jetzt Lounge des Managementnachwuchses

 „Die DDR und BRD gehörten nie zusammen, es trennen sie Welten: die sozialistische und die kapitalistische.“

Dieses Zitat ist von Erich Honecker, der zwischen 1971 und 1989 Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) war. Heute klingt das wirklich ironisch, wenn wir sehen, was aus seinem Büro geworden ist: eine Lounge für Studenten in Businessmanagement. Der Ort, der sozialistischen Idealen inspirieren wollte, inspiriert nun kapitalistische Cafe latté-trinkende Elitestudenten zu neuen Geschäftsideen. Zwei Welten treffen aufeinander.

Honeckers Büro ist ein historischer Ort in Deutschland, der mich und viele Künstler inspiriert hat und noch heute inspiriert. Es befindet sich im Staatsratsgebäude der ehemaligen Deutschen demokratischen Republik (DDR), in Berlin. Das Gebäude verkörperte die Macht der SED-Regierung, und dieses Regierungssystem der DDR hat das Kino und die Literatur inspiriert.

Es wurden auch viele deutsche Architekten von der Architektur der DDR inspiriert. Der Architekt Philipp Meuser hat die sowjetische Architektur und die Geschichte der Architektur studiert und auch ein Buch über das Staatsratsgebäude „Schlossplatz 1. Vom Staatsratsgebäude zum Bundeskanzleramt“ geschrieben.

Ein Ort – viel(e) Geschichte(n)

Das Gebäude steht am Schlossplatz 1, welcher während der DDR Zeit der Marx-Engels-Platz war. An der Vorderfront ist noch das Karl-Liebknecht-Portal, ein Stück des ehemaligen Berliner Stadtschlosses, das in das moderne Staatsratsgebäude integriert wurde. Von dort aus hat Karl Liebknecht am 9. November 1918 die freie sozialistische Republik proklamiert, zwei Stunden nachdem Philipp Scheidemann die Weimarer Republik von dem Reichstag aus proklamiert hatte.

Berlin, Staatsratsgebäude, Liebknecht-Portal

Das Gebäude wurde 1962 bis 1964 von den Architekten Roland Korn und Hans Erich Bogatzky erbaut. Roland Korn hat auch das Haus des Reisens am Alexanderplatz gebaut und Bogatzky das Park Inn Alexanderplatz.

Vor dem Staatsratsgebäude stand der Palast der Republik, wo die Volkskammer seit 1976 war. Wegen des Asbests hat der Reichstag 2002 beschlossen, den „Ballast der Republik“, wie er im Volksmund hieß, zu zerstören. Viele Leute, die an Ostalgie „leiden“, wollten die Zerstörung dieses Gebäudes nicht. Jetzt gibt es nur noch das Staatsratsgebäude als Bild der Macht der DDR-Regierung in der Hauptstadt.

Eine richtig interessante Tatsache über dieses Gebäude ist, dass es nun die European School of Management and Technology beherbergt, die eine private Schule ist, an der man Master of Buisness Administration Diplome bekommen kann. Die Begründer und Sponsoren dieser Schule sind große deutsche Firmen wie BMW, Lufthansa, Deutsche Bank oder Siemens. Das Video „Life as MBA student at ESMT in Berlin, zeigt sehr schön, wie die sozialistische und die kapitalistische Welt in dem Gebäude aufeinandertreffen. Trotz der modernen Renovierungen bleiben noch die sozialistische Architektur und das kommunistische Glasfenster erhalten.

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Trotz Alledem: Womackas Glasfenster

Das beeindruckende Glasfenster, das schon im Video zu sehen war, wurde 1964 von Walter Womacka gemacht. Das 20 Meter hohe Glasbild bildet das Alltagsleben der Leute der DDR ab. Wir sehen auch die Köpfe von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit der Aufschrift „Trotz Alledem“. Sie sind die Persönlichkeiten des Spartakusaufstands, die 1919 getötet wurden.

Womacka war ein beliebter, überzeugter Staatskünstler der DDR. Er benützte die realistische sozialistische Kunst im öffentlichen Raum als Propagandamittel. Sein bekanntestes Werk ist das Ölgemälde „Am Strand“. Man hat Briefmarken mit seinen Werken gemacht. Er hat 1957 einen Preis für ein Gemälde in Moskau gewonnen. Zwischen 1959 und 1988 war Womacka der Rektor der Kunsthochschule in Berlin. Er ist auch bekannt für seine Wandgemälde an öffentlichen Gebäuden (z.B. Humboldt Universität) und seinen Fries „Unser Leben“ am Alexanderplatz, welches 125 Meter lang und 7 Meter hoch ist. Nach der Wiedervereinigung bleibt Womacka ein Kommunist und verteidigt die DDR in einer Autobiografie, die „Farbe bekennen“ heißt und 2004 erschienen ist. Er hat gegen die USA, die Nato und Kapitalismus geschrieben: „Es ist und bleibt die Diktatur des Großen Geldes“.

Walter Ulbricht hatte bis 1971 im Staatsrat sein Büro, aber Honecker hat dort länger gearbeitet (bis 1989). Nach der Wiedervereinigung hatte Kanzler Helmut Kohl dort behelfsmäßig sein Büro.

East meets West

Nach der Wiedervereinigung wurden das Glasbild und das ganze Gebäude am meisten vom Architekten Hans-Günter Merz restauriert. Er ist ein bekannter Architekt in Deutschland, der ein Spezialist für die Restaurierung von denkmalgeschützten Gebäuden und Museen ist. Er hat zum Beispiel die Alte Nationalgalerie und die Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen renoviert.

Seit 2006 ist das Gebäude von der European School of Management and Technology. Diese Schule hat auch eine Partnerschaft mit der Hertie School of Governance, wo die Politikwissenschaftler Konferenzen und Seminare geben. Ein Politikwissenschaftler der Université de Montréal, Laurence McFalls, hat mir gesagt, dass er dort schon ein Seminar gegeben habe, weil er wirklich inspiriert war, in Honeckers Büro zu sein.

Die Schule macht jeden letzten Freitag des Monats eine Führung des Gebäudes und es ist möglich, einen Kaffee in Honeckers Büro zu trinken, das nun eine Lounge für zukünftige Manager ist.

Vor der Wiedervereinigung war das Gebäude ein inspirierender Ort für die Kommunisten und jetzt ist es ein Ort für zukünftige Geschäftsmänner. Während des Besuchs des Gebäudes ist es schwierig, unsere Gefühle auszudrücken. Ich hoffe, dass die Gründe dafür nun etwas klarer sind.

Das Meer als Ort der Inspiration

 ❦ von Coralie Chapais-Roy

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Stell Dir vor, Du sitzt am Meer. Spürst Du den Wind in den Haaren? Riechst Du die Seeluft? Inspiriert Dich die Schönheit der Küstenlandschaft? Möchtest Du jetzt vielleicht ein Gedicht oder ein Buch schreiben, oder ein Bild malen? Für viele deutsche Künstler war die Antwort ,Ja’. Für den Schriftsteller Joseph von Eichendorff war das Meer der Ort der Entdeckung; für den Maler Max Liebermann der Ort der Beobachtung des Alltags; und für den Künstler Oliver Voss der Ort der Fabelwesen.

Das Meer als Ort der Entdeckung

EichendorffEine Meerfahrt ist eine Novelle, die 1836 von Joseph von Eichendorff geschrieben wurde.Der Autor und seine Werke gehören sind Vertreter der ,,Deutschen Romantik’’, wie der Schriftsteller Clemens Brentano und der Maler Caspar David Friedrich.

Die Novelle erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, Don Antonio. Die Geschichte begann im Jahr 1540. Don Antonio ist ein armer Student, der sich nach seinem Studium entschlossen hat, das Meer und die Welt zu sehen. Die Geschichte trägt sich zu, als Christoph Kolumbus gerade eben den Atlantischen Ozean erforscht hatte. Das Schiff ist in sehr schlechtem Zustand, es gibt Löcher in den Segeln, aber das ist nicht wichtig für die Mannschaft. Das Wesentliche ist das Ziel. Sie möchten auf jeden Fall neue Länder entdecken. Antonio hofft auch, seinen Onkel zu finden, der vor vielen Jahren auf einer Seereise verschollen war. Das Meer ist in der Novelle das Unbekannte, die Gefahr der Nixen und anderer Fabelwesen, die Gefahr der Stürme, manchmal die Einsamkeit… Für Joseph von Eichendorff waren das Meer und die Natur von großer Bedeutung, und das kann man auch in seinen anderen Werken sehen. Er hat eine Gedichtsammlung geschrieben, das Wanderlieder heißt. Darin findet man Gedichte über das Meer, wie Der Schiffer, Meeresstille, und Seemanns Abschied. Alle drei ausdrücken die Faszination der Entdeckung und die Schönheit des Meeres. Eichendorff träumte vom Meer, und er hat darüber geschrieben. Die folgende Kategorie ist aber näher an der Realität:

Das Meer als Ort der Beobachtung des Alltags

Max_Liebermann_1916Max Liebermann ist ein Maler des 20. Jahrhunderts, der Vertreter des „deutschen Impressionismus”ist, wie Lovis Corinth und Max Slevogt. Bis jetzt gab es keine Ausstellung, die sich ihren Landschaften gewidmet hätte. Gemälde von Landschaften wurden verglichen mit Porträtmalereien für lange Zeit nicht für interessant oder wichtig gehalten. Ich denke, dass man in Landschaften eher als bei Porträts das künstlerische Talent des Malers sehen kann. Landschaften sind freier gemalt. Der Maler, zum Beispiel Liebermann, hat keine Vorschriften und keinen Zwang, wie das bei einem Auftragswerk der Fall sein kann. Liebermann hat ein paar Landschaften gemalt, als er 1908 eine Reise mit seiner Familie nach Noordwijk in Holland gemacht hat. Er hat dort seinen 60. Geburtstag gefeiert. Das Meer ist ein wiederkehrendes Thema in Liebermanns Bildern. Er brauchte Ruhe, um zu malen, also war es am Strand perfekt. Als er in Noordwijk war, hat er eine Reihe von Bildern gemacht, 15 um genau zu sein ; alle zeigen alltägliche Situationen am Strand. Man kann gutgekleidet Frauen sehen. Sie behalten die Kinder im Auge, sie beobachten sie spielen. Es gibt auch Strandkörbe. Die Leute spazieren und reiten. Diese Landschaften sind die hellsten und sonnigsten Werke Liebermanns. Liebermann beobachtete die Leute am Wasser. Das dritte Werk, das ich vorstelle, wurde gemacht, um von den Leuten am Wasser betrachtet zu werden.

Das Meer als Ort der Fabelwesen

Sans titreDieses Werk ist sehr anders als die anderen Werke, die ich vorgestellt habe. Es ist eine Installation, eine Skulptur, die 2011 vom Künstler Oliver Voss geschaffen wurde. Sie heißt ,,Die Badende’’ oder „Riesen-Nixe“ und war für zehn Tage in der Hamburger Binnenalster. Nixe ist ein anderes Wort für Meerjungfrau. Die Skulptur war etwa 4 mal 20 Meter groß und wog 2 Tonnen.

Der Künstler wurde vom Meer und den Meeresfabelwesen inspiriert. Weil er Hamburger ist, wollte er diese Kreaturen nach Hamburg bringen:

 ,Die Badende’ soll für kurze Zeit zu einem Wahrzeichen der Stadt werden. Hamburg und Wasser gehören einfach zusammen. Man lebt am und vom und beim Wasser. Diese Beziehung wollten mein Team und ich auf unterhaltsame Weise verdeutlichen.

Oliver Voss ist auch Präsident einer Werbeagentur, also war die Skulptur eine Weise, von sich reden zu machen.

 

Schlussendlich kann das Meer Künstler in verschiedener Weise inspirieren, wie Du an den Beispielen Eichendorffs, Liebermanns und Voss‘ gesehen hast. Es wird zweifellos auch in Zukunft so sein, und die jungen, modernen Künstler inspirieren. Vielleicht habe ich Dich inspiriert…

Fabriken: Industrielle Inspiration

Fabriken und Werke sind sehr interessante Orte, an denen man sich inspirieren kann. Das taten viele Künstler der Moderne, in deren Werk Fabriken eine wichtige Rolle als inspirierende Orte spielen.

Fabriken sind in der Moderne eine neue Realität, weil sie früher nicht existierten. Sie sind die Folge der Industrialisierung des 18. und 17. Jahrhunderts. Wegen der Industrialisierung basiert die Produktion auf Maschinen und nicht mehr auf Menschen. Deshalb manchmal haben Fabriken eine ganze imposante und unmenschliche Atmosphäre und sind auch der Geburtsort einer neue Volksschicht, die oft sehr arm und unglücklich ist, und die aus der Industrialisierung hervorgeht: die Arbeiterklasse. So sind Fabriken und Werke kein Traumziel, aber sie haben einen sehr großen Eindruck bei vielen Leuten hinterlassen.

Serialität

Das erste Element, das zu Fabriken und Werke gehört und Künstler inspiriert hat, ist die Serialität, oder die Weise, in der Dinge in Serie produziert werden. Ein gutes Beispiel für diesen Aspekt sind Herr Bernd und Hilla Becher. In ihrem Heimatland sind Bernd und Hilla Becher von dem sehr industriellen Umfeld inspiriert worden. 1959 machten sie ein Fotokatalog, der die Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Orten in Deutschland zeigten.

 

http://www.guggenheim.org/new-york/collections/collection-online/artwork/500

 

Ein anderes Beispiel für einen Künstler, der von der Serialität inspiriert wurde, ist Allan Mcollum. Dieser Amerikaner Künstler schafft seine Kunstwerke wie am Fließband, in großen Serien. Sein Werk hat vielleicht nicht sehr viele Details, aber Quantität ist hier wichtiger als Qualität.

Mensch und Maschine

Die Industrialisierung hat den Alltag von sehr vielen Leuten verändert und so manchen Künstler inspiriert. Alexander Rodchekno ist einer von ihnen. Er hat 1930 in Russland gelebt, während einer der wichtigsten industriellen Revolutionen der Geschichte. Er interessiert sich für das Verhalten der Leute während des Sowjet Regimes, und wie die Regierung die perfekte Gesellschaft zeigen wollte. Er zeigt mit seinen Fotografien Leute, die wie Maschinen funktionieren.

 

Michelangelo Antonioni ist ein Italienischer Regisseur, der sich für die Veränderung des Verhaltens aufgrund der Industrialisierung interessiert hat. Er glaubte, dass Menschen sich an dieses Umfeld nicht anpassen können, und er zeigt es in seinen Werken, denn die Maschinen funktionieren in seinen Filme, aber nicht die Menschen.

https://www.youtube.com/watch?v=0uVPQG01JHk

Der Kult der Sachen

Fabriken existieren nur, um zu produzieren. Deshalb sind sie Tempel der Sachen, oder der Geburtsort des Materialismus. Dies hat Künstler wie Alfred Renger-Patzsch fasziniert. Er interessierte sich für die Schönheit der Sachen wie sie sind, und weil Renger-Patzsch einer der Gründer der Neuen Sachlichkeit ist, hat sie diese Bewegung beeinflusst.

 

 

Als Gegensatz dazu können wir die Werke von Tom Wesselman analysieren, weil er sich auch für Sachen und Materialismus interessierte. Er hat sie allerdings nicht geschätzt, sondern kritisiert. Er glaubte, dass sie von einer zu großen Bedeutung in unserem Leben sind. Deshalb spielen sie eine wichtige Rolle in seinem Werk.

Schließlich sind Fabriken ein Ort, der trotz des auf den ersten Blick hässlichen Aussehens Künstler zu Werken inspirieren kann. Noch heute sind sie Orte, die die Kunst beeinflussen. Ich glaube, sie werden dies auch zukünftig tun.

 Ein Beitrag von Victor H. Silva

Literaturangaben

BECHER, Bernd: Bernhard und Hilla Becher : Typologien industrieller, Bauten, 1963-1975. Fotografieren Katalog. Biena Internacional de São Paulo. Sao Paulo; 1977.

NIKOLAEVIČ LAVRENTʹEV , Aleksandr : Alexander Rodchenko : photography 1924-1954. Köln- Könemann. Köln; 1955

WILDE, Ann, Jürgen WILDE und Thomas WESKI: Albert Renger-Patzsch Photographer of Objectivity. The MIT Press; 1997

Der Wald als Ort der Inspiration

Der Wald: ein universeller Ort der Inspiration 

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Da er seit Millionen von Jahren auf der Erde existiert, wurde der Wald die Heimat vieler Tierarten und Menschen. Er bietet uns Sauerstoff zum Atmen und gleichzeitig auch ein Zuhause.

Der Wald ist aber auch seit jeher Inspiration für Legenden und Mythen. Man erzählt, magische Kreaturen hätten dort gelebt – oder tun dies sogar heute noch: Hexen, Elfen, Kobolde, Feen, Trolle um nur einige wenige zu nennen. Der Wald kann magisch aber auch gefährlich sein, weil man verborgene böse Tiere oder Kreaturen nicht sehen kann. Aber für die Meisten symbolisiert der Wald ein Ort der Zuflucht und der Ruhe.

Wald

Der Wald ist leider heutzutage überall auf der Welt gefährdet. Wegen der fortschreitenden Industrialisierung, die immer mehr Platz in Anspruch nimmt, werden jeden Tag neue Wälder zerstört.

Jedoch haben sich Künstler seit jeher von diesem Ort inspirieren lassen. Für die Romantiker Ende des 18. Jahrhunderts repräsentierte er einen Ort der Einsamkeit und der Sehnsucht. Für viele symbolisiert der Wald die Heimat, die vor dem Kapitalismus geschützt werden muss oder einen Ort, wo man sich treffen kann. Für Schriftsteller gilt der Wald oft als Ort des Zaubers und des Schreckens und für Fotografen als Ort der Ruhe und des Lichts.

Der Wald als Ort der Einsamkeit und der Sehnsucht

Ein gutes Beispiel für vom Wald inspirierte Künstler ist der 1777 in Greifswald geborene Maler Caspar David Friedrich. Er gilt als einer der wichtigsten Maler der deutschen Romantik. In vielen seiner Werke spielte der Wald eine zentrale Rolle, wie beispielweise in diesen Gemälden: Der Chasseur im Walde, Gartenlaube in Greifswald, Wald im Spätherbst, Waldinneres bei Mondschein.

 Zwei Männer in Betrachtung des Mondes Zwei Männer in Betrachtung des Mondes

Auf die Romantiker übte der Wald eine große Faszination aus. Er stellte ein Ort der Einsamkeit dar, wo man sich inspirieren lassen kann. Oft kamen diese Künstler aus der Stadt. Diese Natursehnsucht wurde also von Stadtbewohnern empfunden, welche der Hektik des Alltags entkommen wollten. Der Wald war für diese romantischen Künstler ein Ort der Meditation, der inneren Versenkung und wurde fast als ein spiritueller Ort gesehen. Er ist seitdem ein wichtiges Symbol für die deutsche Nation und deren Identität.

 Der Wald als Überlebensraum

Diese tiefe Verbindung mit dem Wald entwickelte mit der Zeit zahlreiche Mythen, aus welchen die bekanntesten deutschen Märchen kommen.

Viele Märchen der Brüder Grimm spielen im Wald. Warum? Er ist ein Ort, an dem viel passieren kann. Man kann entweder eine Hexe treffen, wie Hänsel und Gretel, oder einen bösen Wolf kennen lernen, wie das Rotkäppchen. Tiere können sprechen, man fürchtet sich und magische Ereignisse können jederzeit stattfinden.

Für die jungen Protagonisten der Märchen ist der Wald ein Überlebensraum, in dem sie sich zurechtfinden müssen. Dabei lernen sie sich selbst besser kennen und lernen aus ihren Fehlern. Zum

Beispiel würde Rotkäppchen heute nie wieder mit einem Fremden im Wald sprechen und eher auf die Ratschläge ihrer Mutter hören.

Eine Inspiration für dieses auf Französisch bekannte Kinderlied: ,,Promenons-nous dans les bois, tant que le loup n‘y est pas. Si le loup y était, il nous mangerait. Mais comme il y est pas, il nous mangera pas. Loup, y es-tu ? Que fais-tu ? M’entends-tu ?’’

Brüder Grimm

Der Wald als Ort der Ruhe und des Lichts

Ruhe

Wenn der Wolf nicht da ist, kann man aber ruhig in den Wald gehen. Tatsächlich fasziniert den Fotografen Michael Lange am Wald die Ruhe, die man dort findet. Er geht allein in den Wald und liebt es dort viel Zeit zu verbringen, um Bilder zu machen. Die Spuren der Zeit und die hinterlassenen Erinnerungen dieses uralten Ortes zu betrachten und aufzunehmen. Einfach die wunderschöne Ruhe der Dämmerung zu genießen. Die Fotografien hat er zusammengefasst und in einer Ausstellung gezeigt: Mythos Wald. Landschaften der Erinnerung.

 

http://www.michaellange.de  - people

 Licht und Farbe

Im Gegensatz zu Lange lässt sich der Fotograf Walter J. Pilsak vom Licht und den Farben des Waldes inspirieren. Er hat eine neue Technik entwickelt. Sie heißt Lichtmalerei. Auf seinem Webportal kann man sehr viele seiner Bilder ansehen. Sie wirken fast hypnotisierend auf uns. Er spielt mit den Farben und dem Licht, welche sehr unterschiedlich, und von den Jahreszeiten abhängig sind.

Walter J.Pilsak

Der Wald als Heimat

Heimat

Ein Grund, warum diese zwei deutschen Fotografen Bilder der deutschen Wäldernehmen, ist sicherlich, weil sie eine starke Verbindung zu diesem Symbol ihrer Heimat empfinden. Was ist denn Heimat? Dort, wo man sich zu Hause fühlt? Ein Ort oder eine Erinnerung? Oder all dies zusammen? Für die meisten Deutschen repräsentiert der Wald einen wichtigen Teil ihrer Heimat.

Man kann dies erkennen, wenn man Deutschland von oben, beispielsweise von einem Flugzeug sieht. Der Wald ist überall. Hier ein kleines Dorf und daneben Wald, da ein anderes Dorf, und dann wieder Wald, und Wald und Wald… Die Deutschen sind seit jeher innig mit ihrem Wald verbunden.

WaldHeimat

Anti-Kapitalismus

Insofern sind viele Deutsche bereit, den heimatlichen Wald zu schützen. Der junge Theaterschriftsteller Philipp Löhle, der in Baden-Baden im Schwarzwald geboren wurde, hat das Theaterstück Supernova (Wie Gold entsteht) 2011 geschrieben. Die Handlung findet in der heutigen Zeit im schönen Schwarzwald statt, welcher auch Heimat des Autors ist. Es handelt von einer Goldfirma, die im Schwarzwald nach Gold schürfen will.

Supernova

Die Dorfbewohner, Bauern und Umweltschützer der Region sprechen sich aber stark dagegen aus und versuchen den Wald zu schützen. Am Ende wird der Wald von der Goldfirma an einen anderen Ort umgepflanzt, im Boden gibt es überhaupt kein Gold und die Bauern haben ihre Höfe verkauft. Der Wald bedeutet hier ein Stück Heimat, das man vor dem Kapitalismus schützen muss. Das ist leider noch ein sehr aktuelles Thema.

 Treffpunkt

Um den Wald zu schützen, muss man zusammenkommen und darüber sprechen, um die Menschen aufzuwecken. Kreativo und AmVieh Theater sind zwei künstlerische und innovative Organisationen, die einen Natur-Kunst-Pfad im Wald von Allach, 70 km südlich von München, gebaut haben. Dieser Pfad heißt Wald der Bilder.

Wald der Bilder

Verschiedene Künstler haben dort Bilder und poetische Texte auf Baumstämme gemalt und Holzskulpturen im Wald kreiert. Eine interaktive Führung durch den Wald erklärt den Besuchern die Werke. Alle Materialien, die für die Malerei auf den Bäumen benutzt wurden, sind umweltfreundlich. Wald der Bilder wurde vom Wald inspiriert, befindet sich selber im Wald und möchte, dass die Leute dort ins Gespräch kommen können. Der Wald wird hier zu einem inspirierenden Treffpunkt für Menschen und ein Symbol ihrer Heimat, welche unbeschadet und als Inspiration für die nächste Generation erhalten bleiben soll.

Meine Inspiration im deutschen Wald

Zum Schluss möchte ich mit Ihnen meine eigenen Erfahrungen der Inspiration im deutschen Wald teilen. Was mich dort sehr inspiriert hat, sind die kleinen Details und die Spuren der Menschen.

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Hierzu eine kurze Geschichte: Als ich in Süddeutschland im Dorf meines Mannes war, sind wir im Wald in der Nähe des Hauses seiner Kindheit spazieren gegangen. Er wollte mir unbedingt das Blockhaus zeigen, das er und seine Freunde in ihrer Kindheit gebaut hatten. Dort hatten sie dann manchmal auch gemeinsam übernachtet. Das war für sie manchmal auch etwas Angst einflößend, da sie seltsame Geräusche und Tierlaute hörten. Es ist für ihn so eine schöne Erinnerung. Die Hütte steht heute leider nicht mehr, aber dieser Wald war und ist für ihn, so glaube ich, ein inspirierender Ort und bleibt ein wichtiger Teil seiner Heimat.

Die kleinen Details und die Spuren der Menschen

Die kleine Details

 

Die ,,Cabane à Sucre‘‘ im quebecischen Wald

Sogar im quebecischen Wald wurde ich inspiriert. Da steht ein Baumstamm, der wie eine Sternfrucht aussieht. Hier eine winzige grüne Rose, die aus dem Boden rauszukommen versucht. Aber die beste Inspiration, die man dort je gehabt hat, ist ohne Zweifel die ,,Cabane à sucre‘‘ und deren wunderbarer Ahornsiryp…

Cabane à sucre

 Ein Beitrag von Anissa Lahyane

 

 

Die Kneipe als Ort der Inspiration

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Was ist eine Kneipe?

Bevor wir mit den Kneipen als Ort der Inspiration anfangen können, wir müssen wissen, was genau eine Kneipe ist. Die Definition einer Kneipe ist vage, das Wort ist umgangssprachlich. Eine Kneipe ist eine Gaststätte, wo Alkohol bzw. Bier angeboten werden. Es gibt andere ähnliche Wörter: Lokal, Schänke, Schankwirtschaft, Taverne und Bar.

Was macht aus einer Kneipe eine Kneipe? Wichtig ist: Sie ist ein Ort, der ein Treffpunkt ist, an dem Stammgäste sitzen, trinken und reden. Eine echte Kneipe braucht eine Wirtin oder einen Wirt, hinter dem Tresen, die oder der die Stammgäste kennt. Aus dem Grund, dass Kneipen Treffpunkte sind und dort es eine familiäre Stimmung gibt, werden diese Lokale inspirierende Orte für viele. Die Gäste der Kneipen reden und tauschen Ideen, deshalb sind die Kneipen guter Nährboden für Kreativität. Wir werden sehen, dass diese Orte Schriftsteller, Dichter und die deutsche Musikszene inspiriert haben.

 

Die Künstlerkneipe

Während der 1950er, 60er, 70er und 80er waren die Kneipen ein wichtiger Treffpunkt für Künstler, z.B „Deutschlands berühmteste Kneipe“, „Die Eiche“ in München. Diese Kneipe war der Ort der Inspiration für viele Leute, wie Harry Baer, Autor, Produzent und Schauspieler. Er hat ein Buch über diese Münchener Kneipe geschrieben: „Das Mutterhaus: Erinnerungen an die Deutsche Eiche“. Dieses Buch mit Hilfe von Interviews, Anekdoten und Bildern gibt uns einen Blick in das Leben der Eiche und ihrer Stammgäste. Für ihn war die Eiche sein Wohnzimmer. Die Eiche war ein „Sammelbecken der städtischen Vagabondage“. Sie war auch ein Treffpunkt und Fluchtpunkt für die Künstler und Kreativen, die das sehr konservative und katholische München fliehen wollten.

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Harry Baer

Viele Schauspieler und andere Künstler wie Freddy Mercury, haben sich in der Eiche getroffen, u.a Hanna Schygulla (Die Ehe der Maria Braun (1979), Berlin Alexanderplatz (1980)), Günter Lamprecht (Die Ehe der Maria Braun (1979)), Armin Müller-Stahl (Lola (1981)) und Hark Bohm (Angst vor der Angst (1975)). Alle diese Schauspieler haben etwas gemeinsam: Alle haben mit Rainer Werner Fassbinder gearbeitet. Sie waren Teil der sogenannten Fassbinder-Clique.

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Hark Bohm

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Günter Lamprecht

 

 

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Fassbinder

Die Eiche war für Fassbinder sein „zweites Wohnzimmer“, er wohnte in dem Haus gegenüber der Eiche und war Tag ein, Tag aus in der Kneipe als Stammgast, „rauchend, koksend und saufend“. Man kann Fassbinders inspirierenden Ort in seinen Filmen sehen. Einige Szenen des Films „Lola“ wurden in der Eiche gedreht. Die Wirtin der Kneipe, Sonja Neudorfer, hat in vielen Filmen von Fassbinders gespielt, z.B in allen drei Filmen von Fassbinders „BRD-Trilogie“, d.h. „Die Ehe der Maria Braun“, „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ (1982) und „Lola“.

 Die Kneipe als Szenetreffpunkt der Undergroundkultur

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ZK im Ratinger Hof

Nicht nur bekannte Schauspieler und Regisseure dienten die Kneipen als Treffpunkt und Ort der Inspiration, sondern auch Künstler und Musiker, die damals noch unbekannt waren. Ein solcher Treffpunkt war die Kneipe Ratinger Hof in Düsseldorf während der 70er und 80er. Diese Kneipe war ideal für die Studenten und Lehrer der Kunstakademie Düsseldorf, weil sie nur circa 300 Meter entfernt war. Viele junge Musiker kam direkt nach dem Unterricht zum Ratinger Hof. Der Hof war ein Treffpunkt der Underground Punkszene in Düsseldorf. Deshalb war diese Kneipe an der Ratinger Straße der Geburtsort der Deutschen Punkmusik. Der erste Auftritt der Band ZK, die später zu den Toten Hosen(transformiert) wurden, war im Ratinger Hof. Die Elektro-Pop Band Kraftwerkhat oft dort gespielt.

Die Kneipe war auch der Geburtsort der Neuen Deutschen Welle der Bewegung. Die Gründungsmitglieder der Band „Deutsche Amerikanische Freundschaft“ (Robert Görl und Gabi Deglado-Lopez), die einen großen Einfluss auf die Elektro- und Technomusik, neben Kraftwerk und Can hat, hatten sich im Ratinger Hof kennen gelernt, weil beide Stammgäste der Kneipe waren. Gröl erzählt: „The earliest line up of DAF was Gabi and me in the basement of the Ratinger Hof. We created our basic ideas and we had a very strong will as a duo. Gabi Delgado played the stylophone and I played the drums.

Andere Bands, deren inspirierender Ort der „Hof“ war, sind u.a KFC, Fred Banana Combo, Mania D und Östro 430.

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Thomas Kling

Der Hof war auch ein inspirierender Ort für den Autor und Dichter Thomas Kling(1957-2005), der Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung war. Seine Inspiration war der Austausch mit Künstlern und Musikern, die er im Ratinier Hof traf. Er schrieb: „Ich bin immer mit Künstlern zusammengewesen, weil ich ja in Düsseldorf aufgewachsen bin und dort auch ein Austausch mit Künstlern und Musikern (…) immer sehr wichtig gewesen ist.“

Er schrieb viele Gedichte über den „Hof“, seine drei Ratinger-Hof-Gedichte, erschienen 1986 in dem Buch „erprobung herzstärkender mittel“. Darin er beschreibt die Atmosphäre des Hofes, mit Themen wie Flirten, Tanzen, Nachtleben, Alkohol und Small-Talk.

Hier ist ein Ausschnitt aus seinem Gedicht „Ratinger Hof Zettbeh (3). Es ist eine Beobachtung der Leute, der Musik, des Rausches und auch der Frisuren, die man im Hof bemerken kann.

 

RATINGER HOF, ZETTBEH (3)

 

»o nacht! ich nahm schon

flugbenzin ..«

 

nachtperformance, leberschäden,

schrille klausur

HIER KÖNNEN SIE

ANITA BERBER/VALESKA GERT BESICHTIGEN

MEINE HERRN .. KANN ABER INS AUGE GEHN

stimmts outfit? das ist dein auftritt!

[…]

DAS HAARREGISTER: bei

steiler fülle, grannig gestylt, hoch

gesprühter edelwust, fiftyfifty,

gesperberte fönung, cherokeegerädert,

barbieverpuppung, teddysteiff, »sekthell

ihr busch«, weekend-allonge, Yves-Klein-blau,

pechschwanz, schläfenraster, freigelegte

schädeldecke, »um entscheidende millimeter

geschlagen!«

(von der kette

gelassen; bereit, zeitig, zum sprung;

zum absprung bereit, die jungens: paar

kanaken plattmachn, gefletschte pupillen,

panzerglasig; vollgestopft mit guten

pillen werden sie dann unter vorrückende

tanks gejagt, »haste ma ne mark für taxi«);

gerädert, bei steiler fülle, OP-bläue,

pechschwanz, schädelraster, ums ganze

haarregister laberschäden; sicherheit ja

die einzige ja: UM FÜNF WIRD HIER

DAS LICHT ANGEHN .. DAS VOLLE LICHT ..

AUFTRITT VON PHANTOMSCHMERZEN .. UND

ANGST DAS KALTE LAKEN

Der erste Satz dieses Gedichts ist ein Augenzwinkern auf Gottfried Benns „O, Nacht, in dem er schreibt: „O, Nacht! Ich nahm schon Kokain […]“ Was wichtig in Klings Gedichte ist, sind die Performance-Elemente, der Wortklang und die Melodie. Kling benutzt viele Adjektive und Metaphern.

Wir können im Fall der Eiche und des Hofes bemerken, dass diese beiden Kneipen die deutsche Popkultur inspiriert haben. Der Inspiration der treffenden Künstler und Musiker wurde vom Rausch nachgeholfen. Der Alkohol- und Drogenkonsum war immer üblich bei diesen Treffen.

 Kneipen für den Alltagsmenschen

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Christian Ulman als Herr Lehmann (r.), Detlev Buck (m.) und Janek Rieke (l.)

Kneipen sind nicht nur für Künstler, wie der Ratinger Hof oder die Eiche, sie sind auch Treffpunkte für jedermann. Der Autor Sven Regener gibt uns ein perfektes Beispiel in seinem Roman „Herr Lehmann“. Als Sven Regener Student war, und jetzt als Autor, waren und sind sein Ort der Inspiration die Kreuzberger Kneipen. Es ist kein Wunder, dass die Handlung seines Romans in Berlins SO36, Teil des Kreuzberger Kiezes, der 1980er spielt.

Das Buch erzählt Herr Lehmanns Geschichte, ein fast 30jähriger Kellner einer Kneipe. Er hat eine Existenzkrise, Probleme mit Liebe und sein Kumpel, der Künstler ist, wird verrückter und verrückter. Seine Lösung für seine Krise: Eine Kneipentour durch Berlin-Kreuzberg. Während seiner Kneipenbesuche trifft er seine Freunde und Fremde, mit denen er viele Unterhaltungen und sinnloser Gespräche hat. Das Buch wird 2003 von Leander Haußmann verfilmt.

Zum Schluss sind die Kneipen natürlich ein Treffpunkt, ein Ort des Alkoholkonsums (Drogen auch), wo Hedonismus die Religion ist. Wir können das über alle Kneipen sagen, aber was macht die Eiche in München und der Hof in Düsseldorf zu einem besonderen Fall? Warum waren diese Lokale die inspirationsreichsten Kneipen Deutschlands?

Die Antwort liegt im Ruf dieser Schankwirtschaften. Wir haben gesehen, dass Fassbinder gegenüber der Eiche wohnte, deshalb trafen sich seine Freunde und Kollegen dort. Der Hof war in der Nähe der Düsseldorfer Kunstakademie, deswegen sind sich viele Kursteilnehmer, Lehrer der Akademie und Gründungsmitglieder von Punkbands wie Die Toten Hosen dort begegnet. Diese beiden Beispiele und das von Herr Lehmann zeigen die Rolle, die Kneipen im sozialen und (sub)kulturellen Leben spielen. Sie sind immer in der Nachbarschaft der Stammgäste. Diese Realität ist die Definition einer echten Kneipe.

Ein Beitrag von Mathieu Robinson

 

 

 

Der Friedhof: Gemischte Gefühle

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Der inspirierende Ort, den ich gewählt habe, ist der Friedhof. Natürlich inspirieren Friedhöfe den Tod, aber auch Angst, Traurigkeit und Wahnsinn für die Leute, die nicht wissen wie sie reagieren sollen und die nicht verstehen, was geschehen ist. Ein Tod ist etwas Schwieriges zu durchleben, weil es so traurig ist. Manchmal ist der Tod eine negative und unangenehme Überraschung, manchmal ist er erwartet. Das kann beeinflussen, wie wir reagieren und wie lang wir brauchen, ihn zu akzeptieren.

In meinem Blogbeitrag möchte ich schreiben über den Friedhof als inspirierenden Ort. Ich erzähle von Caspar David Friedrich und dem Friedhof als Ort der Traurigkeit, Die Toten Hosen und das Lied “Nur zu Besuch” als Ort der Grenzenlosigkeit, und über Arnold Böcklin und die Toteninsel als Ort der Not.

 

Caspar David Friedrich: Ort der Traurigkeit

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Caspar David Friedrich ist am 5. September 1774 in Greifswald geboren. Er war Maler und Zeichner. Mit sechs Jahren hat er seine Mutter und seine zwei Geschwister, (seine Schwester und seiner Bruder) verloren. Das hat einen großen Einfluss in seinem Gemälde. Seine zweite Inspiration ist die Natur. Friedrich hat viele Bilder gemalt mit dem Friedhof und dem Tod als Inspiration zum Beispiel in Eldena Ruin, Friedhofeingang. Hier findet man eine Reihe von seinen Gemälden. Für ihn hat der Tod eine unangenehme und traurige Bedeutung. Sein Leben war total verändert, nachdem er seine Familie verloren hatte, als er noch sehr jung war.

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Eines seiner Gemälde trägt den Titel “Der Friedhof”. Obwohl es einen Friedhof darstellt und die Bäume tot sind, ist das Bild nicht sehr düster und traurig. Der Himmel ist hell und ziemlich schön im Vergleich mit dem Himmel ein bisschen weiter hinten. Weiter hinten ist der Himmel dunkler und unheimlicher. Wir können sehen, dass das Wetter schlechter wird. Hier kann der Himmel das Leben symbolisieren. Jetzt ist das Leben schön und sorglos, aber später wird es dunkel und schwer. Wenn wir weiter gehen, ändert sich das Leben. Es ist nicht so schön wie damals, als wir jünger waren. Wenn wir alt werden, können wir viele Probleme haben z.B. Krankheiten.

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Friedrich hat „Kloster Friedhof im Schnee” gemalt. Es ist viel dunkler und wir sehen nur Traurigkeit und nichts Positives. Der Himmel ist bewölkt. Vielleicht durchquerte er einen schweren Moment. Vielleicht war er deprimierter als zuvor.

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Er hat auch “Abtei im Eichwald” gemalt. Hier findet sich noch einmal der gleiche Friedhof. Der Vordergrund sieht traurig aus, aber im Hintergrund sehen wir Licht. Es ist als er hätte den Tod akzeptiert und verstanden, dass nach dem Tod, kommt das Leben. Er hat etwas Positives in dieser Situation gefunden.

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In “Friedhof im abendlichen Zwielicht”, findet sich ein Paar vor der Friedhofstür. Die Farben sind hell, und das Bild sieht nicht so traurig aus. Es ist, als ob das Paar darauf wartete, zusammen zu sterben.

Die Toten Hosen und “Nur zu Besuch”: Ort der Grenzenlosigkeit

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Die Toten Hosen sind eine Punkrock Musikgruppe aus Düsseldorf. Diese Gruppe wurde 1982 gegründet.

Der Sänger Andreas Frege, oder Campino, hat das Lied “Nur zu Besuch” für seine Mutter geschrieben. Das Lied ist auf dem Album Auswärtsspiel erschienen. Dieses Album war das neunte der Gruppe und ist 2002 erschienen. Seine Mutter ist in England geboren und später Lehrerin geworden. 2000 erkrankte sie leider. Campino fühlte, dass er mit seiner Mutter Zeit verbringen sollte. Sechs Monate lang hat er sie jeden Tag besucht. Schließlich ist sie an Weinachten an Krebs gestorben. Campino hat nur fünfzehn Minute gebraucht um “Nur zu Besuch” zu schreiben, nach dem Tod seiner Mutter. Er wollte sich seiner Mutter für alles bedanken. Seit der Veröffentlichung seines Liedes haben tausende von Fans angefragt, ob er bei einer Bestattung singen könnte. Das Lied hat vielen Leuten geholfen, um ihre Nahestehenden zu trauern.

Das Lied (00:00- 00:41)beschreibt seinen Besuch seiner Mutter an dem Grab. Er erklärt wie er sich fühlt, wenn er seine Mutter besucht. Er fühlt sich wohl auf dem Friedhof, weil die Atmosphäre des Friedhofs sehr ruhig und entspannt ist.

Immer wenn ich dich besuch, fühl ich mich grenzenlos.

Alles andere ist von hier aus so weit weg.

Ich mag die Ruhe hier zwischen all den Bäumen,

als ob es den Frieden auf Erden wirklich gibt.

Er fühlt sich, als ob er und seine Mutter allein auf der Welt sind. Er vergleicht diese Ruhe mit dem Frieden auf Erden, also hat er nicht einen so negativen Meinung über den Friedhof und den Tod seiner Mutter, obwohl er sie lieber bei sich haben würde. Er ist erleichtert, dass seine Mutter nicht mehr leidet.

Im Video zum Lied (03:40- 04:28) sehen wir einen Mann, der allein in einer menschenleeren Stadt spaziert. Später trifft er einen Mann, der er selbst ist. Der zweite Mann ist glücklicher. Lächelnd schlägt er dem traurigen Mann ins Gesicht. Er will ihm sagen, dass sein Leben weitergeht, obwohl seine Mutter gestorben ist. Dann tauchen die Menschen in der Stadt wieder auf. Es gibt wieder Leben. Dann lächelt der Mann und er ist glücklicher. Sein Besuch bei seiner Mutter hat ihm geholfen, um sie zu trauern.

Arnold Böcklin: Die Toteninsel als Ort der Not

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Arnold Böcklin war ein Schweizer Maler, Zeichner, Grafiker und Bildhauer der Epoche des Symbolismus. Er ist 1827 in Basel geboren. Er hat an der Kunstakademie Düsseldorf studiert. Mehrere Surrealismus- Künstler wie Salvador Dali und Max Ernst hielten Böcklin für einen genialen und ironischen Künstler.

Zwischen 1880 und 1886 hat er fünf verschiedene Versionen von Die Toteninsel gemalt. Sie sind alle mit Ölfarbe gemalt. In allen Versionen findet man eine seltsame Insel. Im Vordergrund sehen wir ein Boot, das zur Insel segelt. Im Boot steht ein Mann, der, nach meiner Meinung, gestorben ist. Er ist in weiß gekleidet und sieht wie einen Geist aus. Im Hintergrund liegt ein Fels in der See. Auf der Insel stehen viele dunkle hohe Bäume.

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Das Bild hat eine autobiographische Bedeutung. Er hat acht von seinen vierzehn Kindern verloren. Die dunklen Farben symbolisieren seine Traurigkeit. Die Insel ist das Symbol für den Friedhof. Wenn jemand stirbt, wird er auf die Insel gebracht. Es ist ein Ort, an dem alle toten Menschen sehen sich wieder. Es ist wie ein Friedhof.

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Ich habe gedacht, dass er verschiedene Versionen gemalt hat, um zu zeigen seine verschiedenen Gefühle bezüglich des Todes seiner Kinder. Ich habe herausgefunden, dass er so viele Versionen der gleichen Insel gemalt hat für verschiedene Personen. Zum Beispiel hat er die erste Version für einen Mäzen gemalt, Hitler hat die dritte Version gekauft, und er hat die vierte Version gemalt, um mehr Geld zu verdienen.

Der Tod ist immer etwas Schwieriges zu durchleben. Manchmal hilft ein Besuch auf dem Friedhof, manchmal hilft es, darüber zu sprechen, zu zeichnen, zu malen oder zu singen. Wir müssen verstehen, dass wir in jedem Moment sterben können. Der Tod kommt zu uns allen, früher oder später. Der heutige Tag verbürgt nicht den morgigen.

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 Ein Beitrag von Stéphanie Cavaliere

Die Schützengräben als traumatischer Ort der Inspiration

 Willkommen im Ersten Weltkrieg!

Ab heute sind Sie Soldaten.

Es wird für Deutschland, unser Vaterland, gekämpft und gewonnen!

Unser Feind, der Barbar, muss sterben.

Achtung! Aufstehen!

Und seien Sie mutig für unser Vaterland…

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Was hätten Sie getan, wenn Sie 1914 gelebt hätten? Hätten Sie sich als Mann freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet, um als Soldat zusammen mit den Kameraden Abenteuer zu erleben? Hätten Sie als Frau und Mutter ihren Mann und ihre Söhne in den Krieg ziehen lassen? Sie hätten wahrscheinlich patriotische Reden in der Schüle gehört, um Sie zu indoktrinieren… Dann wären Sie ein Soldat im Ersten Weltkrieg geworden, oder eine Frau, die zu Hause geduldig auf ihren Mann wartet.

Der Erste Weltkrieg war ein Grabenkrieg: Hauptschauplatz der Kämpfe waren die Schützengräben, die sich fast durch ganz Europa zogen. Die Gier nach mehr Ländern und Macht kostete zehn Millionen Tote. Der traumatische Ort der Schützengräben inspirierte viele Künstler, wie den Maler Otto Dix, den Schriftsteller Erich Maria Remarque und den Filmregisseur Christian Carion auf je unterschiedliche Weise. Welche Bedeutung die Schützengräben für diese drei Künstler als Ort der Inspiration haben, möchte ich im Folgenden zeigen.

Otto Dix: Die Schützengräben als Ort des Todes

 1914 glorifizierten die avantgardistischen Künstler wie Otto Dix den Patriotismus, den Militarismus und einen Kriegswunsch. Deshalb verpflichtete Dix sich freiwillig zum Kriegsdienst. Dix wünschte sich auch, die Erfahrung des Todes und der Gewalt auszuprobieren, und wollte alles mit seinen eigenen Augen sehen, um die Realität zu bestätigen, weil er ein Realist war.

Nach dem Krieg lehnte Deutschland es ab, sich an den Krieg zu erinnern. Die Gesellschaft war frenetisch und nicht dazu bereit, über den verloren Krieg nachzudenken. Trotz der alltäglichen Ablehnung des Volkes widersetzte Otto Dix sich deutlich dagegen. Er benutzte Taktiken, um das Volk mit der Brutalität des Krieges zu konfrontieren. Der Tod sollte nicht banalisiert werden.

Der Krieg in 50 Radierungen

Verwundeter (Herbst 1916, Bapaume) Sturmtruppe geht unter Gas vor

 

 

 

 

 

 

Verwundeter (Herbst 1916, Bapaume)                             Sturmtruppe geht unter Gas vor

1924 entstand die Bilderserie Der Krieg in 50 Radierungen. Dix wollte unbedingt diese Bilder schaffen, weil er eine Pflicht für ihn war. Er sah alles und erinnerte sich an alles, deswegen musste er diese Realität zeigen. Otto Dix erdreistete sich in seiner Arbeit, die entsetzlichsten Folgen des Krieges aufzuzeigen. Die Themen seiner Radierungen zeigten von Granaten zerrissenen Gerippe, Selbstmorde, die Agonie und der Verzweiflung in den Gräben. Die Landschaften des Grabenkrieges waren für Otto Dix vor allem Kulisse für diese schauerlichen Spektakel.

Dix sammelte viele Dokumente, um das Projekt zu verwirklichen. Er sammelte Fotos aus der Zeit zwischen 1914 bis 1918. Die brutalsten Negative interessierten ihn. Er benützte auch wissenschaftliche Bilder der verletzten Soldaten im Krankenhaus, und er arbeitete mit menschlichen Organen in den Leichenhallen. Er studierte auch Mumien in Italien. Aufgrund dieser Forschung konnte er Leichen ohne verfaulendem Fleisch, Aasfressern und Würmern untersuchen, deshalb war seine Arbeit detaillierter. Die Erinnerungen, die Reisen und die Fotos halfen ihm die Verbesserungsmöglichkeit seines Werkes zu erweitern.

DIX, Otto : Der Krieg. Historial de la Grande guerre- Château de Péronne, Péronne. 5 Continents Editions srl, Milan. 2003.

Erich Maria Remarque: Die Schützengräben als Ort des Alltags

Der Roman Im Westen nichts Neues wurde von Erich Maria Remarque geschrieben und wurde millionenfach gekauft. Erich Maria Remarque war während der Goldenen Zwanziger Sportjournalist in Berlin. Er wollte ein Buch über den Ersten Weltkrieg veröffentlichen, aber Remarques‘ Freund stand dieser Idee skeptisch gegenüber, weil das Thema niemanden mehr interessierte. Seit zehn Jahren wurde der Krieg in der Versenkung verschwinden gelassen, und es würde schwierig sein, einen Herausgeber zu finden. Erich Maria Remarque war ein Soldat während des Krieges. Das Märtyrium der Soldaten wurde entweder totgeschwiegen, oder die Wörter klangen unecht, deshalb wollte Erich Maria Remarque dieses Schweigen brechen, um die Wahrheit zu erzählen.

Im Westen nichts Neues (1929)

Im Westen nichts Neues

In diesem Buch vertrat Erich Maria Remarque die Interessen der Soldaten, die gefallen waren, und berichtete sehr detailliert vom Alltag des einfachen Soldaten in den Schützengraben. Remarque benutzte verschiedene Mittel, um den Leser zu ergreifen. Der Autor erzählt den Alltag aus der Perspektive eines Ich-Erzählers. Er spricht über seine Kindheit, das Leben seiner Eltern, die Stadt seiner Jugend und seine Kameraden in denr Gräben. Dadurch verbindet den Leser und den Autor eine starke Intimität. Die Sätze des Autors sind kurz, ohne Adjektive und einfach. Er beschreibt das alltägliche Grauen in einem neutralen Erzählton. Das Buch ist in der Gegenwartsform geschrieben, weil es weder Zukunft noch Vergangenheit für diese jungen Männer gibt.

Nach dem Roman Im Westen nichts Neues schrieb Erich Maria Remarque Bücher, die vom Exil handelten, weil er vor dem Nationalsozialismus geflohen war. Als er nach Deutschland zurückkam, fühlte er sich wie ein Zombie. Eine Leere überwucherte ihn, aber die ursprüngliche Wunde findet sich im Buch Im Westen nichts Neues.

 REMARQUE, Erich Maria : À l'ouest rien de nouveau. Préface de Patrick Modiano. Roman.Éditions Stock. Paris : février 2009

 Christian Carion: Die Schützengräben als Ort der Brüderlichkeit

2005 wurde der Film Joyeux Nöel von Christian Carion gemacht und war eine Zusammenarbeit von sechsundzwanzig französischen und ausländischen Partnern. Christian Carion war Ingenieur, aber er erzählte gern Geschichten und wollte Filmregisseur werden. Eines Tages hatte er die Chance, sich an der Filmhochschule einzuschreiben, und so wurde sein Traum wahr.

Während seiner Jugend war Christian Carion dauernd mit dem Ersten Weltkrieg konfrontiert. Zum Beispiel besaß sein Vater einen britischen Soldatenfriedhof in einem Chicorée Feld. Dort fand er immer wieder Granaten. Lange kannte Christian Carion nur diesen traurigen Aspekt des Krieges.

Die Geschichte, die den Film inspirierte, entdeckte er zufällig in einem Buch, das Combats en Flandres et Artois hieß. In diesem Buch gab es drei Seiten, die von einer weihnachtlichen Verbrüderungsszene in den Schützengräben berichten. Er nahm Kontakt mit Yves Buffeteau auf, der Nachforschungen nach der Brüderlichkeit anstellte. Gemeinsam vertieften sie dieses Thema. Der Film erzählt die Geschichte von Weihnachten 1914 in den Gräben. Aber was passierte während dieser Nacht?

Joyeux Nöel

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Die Brüderlichkeit war eine Unterbrechung während des Krieges. Die Soldaten verpflichteten sich freiwillig, um Abenteuer zu erleben, aber der Anfang des Krieges war sehr brutal. Der erste Winter war auch entsetzlich, aufgrund des Regens, des Schnees und der Kälte. Also waren die Gräben nicht mehr funktionell.

Im Dezember 1914 wünschten Großbritannien und Deutschland, dass sich die Soldaten an Weihnachten freuen könnten. Tannenbäume für jede Einheit an der Front, Liebesgaben, Karten, Zigarren, Bonbons wurden gesandt. Das Ambiente war auch ein wichtiger Faktor und spielte auf eine Friedenszeit an. Am Weihnachtsabend fror es, die Wolken lösten sich auf, und die Sonne schien. Also veränderte sich die Umwelt in den Gräben. Der Schlamm wurde hart, die Leichen wurden mit Schnee abgedeckt, und die Gerüche waren nicht mehr abschleulich. Dann gab es eine Kampfunterbrechung.

Plötzlich hatte der Gegner ein Gesicht, und die Soldaten teilten einen Moment miteinander, während dem der Krieg nicht mehr existierte. Die Soldaten wurden Brüder und tauschten Zigaretten, Alkohol, Schokolade… Sie fotografierten einander, sangen und spielten gemeinsam Karten und Fußball. Da begriffen die Soldaten, dass der Feind kein Barbar war, wie sie es gelernt hatte. Trotz der verschiedenen Sprachen fühlten sich die Soldaten einander nah. Sie waren überrascht und verstanden nicht mehr, warum sie einander bekriegten.

Diese Geschichte der Brüderlichkeit blieb lange vergessen, nicht angenommen und verborgen, aber die Briefe der Soldaten sind die wichtigsten Beweise und Quellen.

 FERRO, Marc. BROWN, Malcolm. CAZALS, Rémy. MUELLER, Olaf. : Frères de tranchées. Éditions Perrin, France, 2005.

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Die Schützengräben des ersten Weltkrieges inspirierten noch viele andere Künstler, Schriftsteller und Filmregisseur, wie Roland Dorgèles, Ernst Jünger, Gabriel Chevallier und Jean-Louis Lorenzi. Die Soldaten kämpften vier Jahre lang an diesem grausamen Ort, und der Zufall beschloss ihr Schicksal; entweder den Tod oder das Überleben…

Dieses Jahr ist es genau hundert Jahre her, dass die jungen Soldaten mit dem Zug losfuhren, um sich zu bekriegen. Wenn die Schützengräben uns etwas gelehrt haben, dann nur das: Nie wieder…

_colombe_paixEin Beitrag von Emily Tremblay