Ironie der Geschichte: Früher Honeckers Büro, jetzt Lounge des Managementnachwuchses
„Die DDR und BRD gehörten nie zusammen, es trennen sie Welten: die sozialistische und die kapitalistische.“
Dieses Zitat ist von Erich Honecker, der zwischen 1971 und 1989 Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) war. Heute klingt das wirklich ironisch, wenn wir sehen, was aus seinem Büro geworden ist: eine Lounge für Studenten in Businessmanagement. Der Ort, der sozialistischen Idealen inspirieren wollte, inspiriert nun kapitalistische Cafe latté-trinkende Elitestudenten zu neuen Geschäftsideen. Zwei Welten treffen aufeinander.
Honeckers Büro ist ein historischer Ort in Deutschland, der mich und viele Künstler inspiriert hat und noch heute inspiriert. Es befindet sich im Staatsratsgebäude der ehemaligen Deutschen demokratischen Republik (DDR), in Berlin. Das Gebäude verkörperte die Macht der SED-Regierung, und dieses Regierungssystem der DDR hat das Kino und die Literatur inspiriert.
Es wurden auch viele deutsche Architekten von der Architektur der DDR inspiriert. Der Architekt Philipp Meuser hat die sowjetische Architektur und die Geschichte der Architektur studiert und auch ein Buch über das Staatsratsgebäude „Schlossplatz 1. Vom Staatsratsgebäude zum Bundeskanzleramt“ geschrieben.
Ein Ort – viel(e) Geschichte(n)
Das Gebäude steht am Schlossplatz 1, welcher während der DDR Zeit der Marx-Engels-Platz war. An der Vorderfront ist noch das Karl-Liebknecht-Portal, ein Stück des ehemaligen Berliner Stadtschlosses, das in das moderne Staatsratsgebäude integriert wurde. Von dort aus hat Karl Liebknecht am 9. November 1918 die freie sozialistische Republik proklamiert, zwei Stunden nachdem Philipp Scheidemann die Weimarer Republik von dem Reichstag aus proklamiert hatte.
Das Gebäude wurde 1962 bis 1964 von den Architekten Roland Korn und Hans Erich Bogatzky erbaut. Roland Korn hat auch das Haus des Reisens am Alexanderplatz gebaut und Bogatzky das Park Inn Alexanderplatz.
Vor dem Staatsratsgebäude stand der Palast der Republik, wo die Volkskammer seit 1976 war. Wegen des Asbests hat der Reichstag 2002 beschlossen, den „Ballast der Republik“, wie er im Volksmund hieß, zu zerstören. Viele Leute, die an Ostalgie „leiden“, wollten die Zerstörung dieses Gebäudes nicht. Jetzt gibt es nur noch das Staatsratsgebäude als Bild der Macht der DDR-Regierung in der Hauptstadt.
Eine richtig interessante Tatsache über dieses Gebäude ist, dass es nun die European School of Management and Technology beherbergt, die eine private Schule ist, an der man Master of Buisness Administration Diplome bekommen kann. Die Begründer und Sponsoren dieser Schule sind große deutsche Firmen wie BMW, Lufthansa, Deutsche Bank oder Siemens. Das Video „Life as MBA student at ESMT in Berlin“, zeigt sehr schön, wie die sozialistische und die kapitalistische Welt in dem Gebäude aufeinandertreffen. Trotz der modernen Renovierungen bleiben noch die sozialistische Architektur und das kommunistische Glasfenster erhalten.
Trotz Alledem: Womackas Glasfenster
Das beeindruckende Glasfenster, das schon im Video zu sehen war, wurde 1964 von Walter Womacka gemacht. Das 20 Meter hohe Glasbild bildet das Alltagsleben der Leute der DDR ab. Wir sehen auch die Köpfe von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit der Aufschrift „Trotz Alledem“. Sie sind die Persönlichkeiten des Spartakusaufstands, die 1919 getötet wurden.
Womacka war ein beliebter, überzeugter Staatskünstler der DDR. Er benützte die realistische sozialistische Kunst im öffentlichen Raum als Propagandamittel. Sein bekanntestes Werk ist das Ölgemälde „Am Strand“. Man hat Briefmarken mit seinen Werken gemacht. Er hat 1957 einen Preis für ein Gemälde in Moskau gewonnen. Zwischen 1959 und 1988 war Womacka der Rektor der Kunsthochschule in Berlin. Er ist auch bekannt für seine Wandgemälde an öffentlichen Gebäuden (z.B. Humboldt Universität) und seinen Fries „Unser Leben“ am Alexanderplatz, welches 125 Meter lang und 7 Meter hoch ist. Nach der Wiedervereinigung bleibt Womacka ein Kommunist und verteidigt die DDR in einer Autobiografie, die „Farbe bekennen“ heißt und 2004 erschienen ist. Er hat gegen die USA, die Nato und Kapitalismus geschrieben: „Es ist und bleibt die Diktatur des Großen Geldes“.
Walter Ulbricht hatte bis 1971 im Staatsrat sein Büro, aber Honecker hat dort länger gearbeitet (bis 1989). Nach der Wiedervereinigung hatte Kanzler Helmut Kohl dort behelfsmäßig sein Büro.
East meets West
Nach der Wiedervereinigung wurden das Glasbild und das ganze Gebäude am meisten vom Architekten Hans-Günter Merz restauriert. Er ist ein bekannter Architekt in Deutschland, der ein Spezialist für die Restaurierung von denkmalgeschützten Gebäuden und Museen ist. Er hat zum Beispiel die Alte Nationalgalerie und die Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen renoviert.
Seit 2006 ist das Gebäude von der European School of Management and Technology. Diese Schule hat auch eine Partnerschaft mit der Hertie School of Governance, wo die Politikwissenschaftler Konferenzen und Seminare geben. Ein Politikwissenschaftler der Université de Montréal, Laurence McFalls, hat mir gesagt, dass er dort schon ein Seminar gegeben habe, weil er wirklich inspiriert war, in Honeckers Büro zu sein.
Die Schule macht jeden letzten Freitag des Monats eine Führung des Gebäudes und es ist möglich, einen Kaffee in Honeckers Büro zu trinken, das nun eine Lounge für zukünftige Manager ist.
Vor der Wiedervereinigung war das Gebäude ein inspirierender Ort für die Kommunisten und jetzt ist es ein Ort für zukünftige Geschäftsmänner. Während des Besuchs des Gebäudes ist es schwierig, unsere Gefühle auszudrücken. Ich hoffe, dass die Gründe dafür nun etwas klarer sind.






Eine Meerfahrt
Dieses Werk ist sehr anders als die anderen Werke, die ich vorgestellt habe. Es ist eine Installation, eine Skulptur, die 2011 vom Künstler Oliver Voss geschaffen wurde. Sie heißt ,,
































































